
Die
Virnsberger Biathleten nahmen im Jahr 2012 das erste Mal bei den
Deutschen Meisterschaften im Sommerbiathlon teil (13. bis 16. September).
Die erfolgreiche Bayerische Meisterschaft mit mehreren vierten Plätzen
und einer Medaille gab genug Motivation mit auf die Strecke. In
der DKB-Ski-Arena, in der sonst die gestandenen Biathlongrößen im
Winter vor 30.000 Zuschauern ihre Runden drehen, war Austragungsort
für die Meisterschaft, die vom SV Frankenhain veranstaltet wurde.
Die 2. Vorsitzende, Katrin Apel, die dem ein oder anderen Biathloninsider
sicher ein Begriff ist, war unter anderem federführend. Bereits am Mittwoch reiste Cheftrainer Robert
Strauß nach Oberhof an, um bei der Mannschaftsführersitzung anwesend
zu sein. Die Veranstalter waren sichtlich beschäftigt mit der großen
Anzahl an Startern, denn das Feld wies beinahe 650 Sportlerinnen
und Sportler auf. Mit dieser Anzahl wurde auch der Zeitplan neu
gesetzt.

Am Donnerstag reiste dann das restliche Virnsberger
Team an. Die Biathleten Felix Strauß, Jonas Pauly und Marina Strauß
besichtigten sogleich das Stadion. Mit an Bord waren auch der 1. Vorstand
des SV Virnsberg Michael Strauß zusammen mit dem Schießtrainer Christoph
Strauß. Das Wohnquartier für vier Tage wurde nahe der Lütschetalsperre
aufgeschlagen, nur wenige Kilometer vom Biathlonstadion entfernt.
Die Trainersitzung am Donnerstagabend regelte
die Formalien aus Bayerischer Sicht, was insbesondere die Staffelzusammensetzung
betraf. Erstmals wurden wegen der großen Starterzahl auch Strafsekunden
eingeführt, die die sonst übliche Strafrunde pro Fehlschuss ersetzten.
20 Sekunden wurden so pro Fehlschuss auf die Laufzeit aufgeschlagen. Freitagmorgen ging es für das Virnsberger Biathlonteam
um kurz nach 10:00 Uhr zur Waffenkontrolle, welche ohne Probleme durchlaufen
wurde. Es folgte das Anschießen, das bei eisigen Temperaturen und
starkem Seitenwind eine Kunst für sich war. Als der gesamte Schießstand
trotz Anschießzeit so gut wie leer war, sorgte ein Vorfall für eine
große Schrecksekunde. Der starke Wind schaffte, es einen Gewehrständer
mit über 50 Gewehren umfallen zu lassen. Die Aufregung war von jetzt
auf gleich groß und das Anschießen wurde nach einem Juryentscheid
um eine halbe Stunde verlängert, was sich auf den gesamten Zeitplan
auswirkte. Das Gewehr von Marina und Jonas erwischte der Vorfall
ebenso, weshalb auch das Virnsberger Team sofort darauf bedacht
war, die Funktionalität und Genauigkeit der Waffe wieder sicher
zustellen. Bis auf einen Lackschaden ereilte das Team keine weiteren
Probleme, wohingegen andere Biathleten mit gebrochenen Schäften
oder sogar einem gebrochenen Lauf das Rennen nicht oder nur mit
Ersatzwaffen antreten konnten.

Marina Strauß machte für den SV Virnsberg in
der Sprintwertung den Auftakt. Sie trat trotz einer gehörigen Erkältung
in der Jugendklasse weiblich an und war deshalb nicht im Vollbesitz
ihrer Kräfte. Die eiskalten Temperaturen und der Wind sorgten nicht
für Marinas Lieblingswetter. Ihr standen 3 Kilometer im Stadion
und ein zweimaliges Schießen bevor. Beim ersten Schießen im Liegendanschlag
blieben drei Scheiben stehen. Mit dieser extra Minute ging es in
die zweite Runde, nach der das Schießen stehend anstand.
Marina
kämpfte gegen den starken Seitenwind und musste vier stehende Scheiben
am Schießstand zurück lassen. Insgesamt kamen somit 2:20 Minuten
für die junge Virnsbergerin oben drauf. In der Gesamtwertung belegte
Marina nach einem Schlusssprint den 25. Platz. Nach diesem Wettkampf
folgten Jonas und Felix der Prozedur von Marina. Nach der Waffenkontrolle
ging es direkt zum Anschießen, das bei immer noch starkem Seitenwind
stattfand. Die Windverhältnisse führten zur Entscheidung, die Waffe
von Jonas entsprechend der Gegebenheiten einzustellen und auf gleichbleibenden
Wind zu setzen. Auch das Gewehr von Felix folgte dieser Einstellung.
Das Wetter blieb zum Glück bis zum Schießen unverändert als Jonas
an den Start ging. Er, der extra aus Karlsruhe für den Wettkampf
nach Virnsberg und weiter nach Oberhof kam, ist eigentlich in der
Welt der Luftpistolenschützen zu Hause und versuchte sich zuletzt
nur an ein paar Trainingseinheiten am Biathlongewehr.

Davon war
aber beim Liegendschießen nicht im geringsten etwas zu bemerken. Der Wind
passte perfekt zum Anschießen und Jonas ließ eine Scheibe nach der
anderen fallen. Die vorletzte Scheibe wackelte, wollte aber nicht
umfallen, den Rest versenkte Jonas in professioneller Manier. Läuferisch
zeigte er schnell, dass er fast ganz vorne mitmischen konnte.
Das
Stehendschießen war also richtungsweisend für die spätere Platzierung.
Doch anstatt Nerven zu zeigen, ließ Jonas einen echten Könnermoment
aufblitzen. Eine Scheibe nach der anderen fiel trotz des immer noch
starken Seitenwindes, der sich auch direkt auf den stabilen Stand
der Schützen auswirkte. Alle Virnsberger, die am Funk angeschlossen
waren, jubelten lautstark durch ihre Geräte, als fünf Treffer vom
Schießstand vermeldet wurden. Überrascht waren vom Ergebnis sichtlich alle
und es war schnell klar, dass Jonas somit vorne mitmischen würde, wenn
er noch eine schnelle Schlussrunde hinlegen würde. An allen entscheidenden
Stellen erhielt Jonas lautstarke Anfeuerungsrufe, die er in einer
schnellen Schlussrunde und einem langen Zielsprint umsetzte. Die Erschöpfung
und die Freude über das unfassbare Schießergebnis zeichneten sich in
Jonas Gesicht ab. Ob dieses Ergebnis für eine Platzierung auf
dem Stockerl gereicht haben würde, wurde erst nach dem Folgewettkampf
klar. Unglücklicher konnte die Entscheidung für Jonas nicht fallen.
Die inoffizielle Liste besagte einen 4. Platz mit 50 Sekunden Rückstand
auf Rang 3.
Die bereinigte Liste behielt den 4. Platz für Jonas
bei, jedoch wurde der Abstand auf Rang 3 mit 2.0 Sekunden angegeben.
Auf den 2. Platz fehlten ca. 12 Sekunden, also weniger als ein Fehlschuss.
Zum einen also riesen Pech für Jonas, der sich jedoch zum anderen
vielmehr über den Erfolg des 4. Platzes mit seinem Team freute,
denn damit hatte nun echt keiner gerechnet. "Wie geil ist das
denn? Das hätte ich nicht im Ansatz erwartet.", so der Viertplatzierte
nach Ergebnisbekanntgabe. Knapp ging es auch hinter Jonas zu,
denn vier weitere Schützen teilten sich die Plätze hinter ihm in
einem Zeitintervall von 10 Sekunden auf. Diese Zeitabstände waren
maßgeblich für die Verfolgung, die am Samstag anstand. Für Jonas
reichte es nach zwei 5. Plätzen bei der Bayerischen leider auch
nicht bei der Deutschen für das erste Edelmetall.

Felix Strauß
bekam es in der Juniorenklasse mit einer Streckenlänge von 4 Kilometern
zu tun. Auch sein Laufen war mit einem zweimaligen Schießen versetzt.
Der Virnsberger, der bei der Bayerischen Meisterschaft auf den 3.
Platz kam, hatte es mit einem starken Feld zu tun, in dem es schwer
werden würde sich zu behaupten. Die Favoriten zeigten bereits bei
der ersten Runde wie hoch sie das Tempo hängen können. Als Felix
zum Liegendschießen kam, legte sich der Wind etwas, doch die Scheiben
schienen wie angenagelt. Für den Virnsberger wollte leider keine
Einzige fallen, ganz anders als bei der Bayerischen im Juli. Die
Reaktion auf dem Virnsberger Funk war nach Durchsage aus dem Trainerbereich
entsprechend, die Anfeuerung hielt dennoch an. Mit der Entscheidung
um die Medaillenplätze hatte Felix natürlich nichts zu tun, wollte
sich aber mit einem sauberen Rennen durchkämpfen. Dies gelang ihm
noch, als er seine Konkurrenten, die noch hinter ihm waren, auf
Distanz hielt. Im Stehendschießen ließ er zwar nochmals zwei Scheiben
stehen, doch Felix gab auf der Schlussrunde noch einmal alles und
überquerte nach 20:41.4 Minuten die Ziellinie. Auf die Zeit wurde
nochmals 2:20
Minuten Strafzeit aufgeschlagen.
Ergebnisse Sprint
| 25. Platz | Marina Strauß | Jugend w | 3 | 4 | 17:44.7 Minuten | + 4:37.6 Min |
| 4. Platz | Jonas Pauly | Jugend m | 1 | 0 | 12:31.1 Minuten | + 0:30.5 Min |
| 44. Platz | Felix Strauß | Junioren A m | 5 | 2 | 20:41.4 Minuten | + 5:30.9 Min |
Ergebnisse
Deutsche Meisteschaft 2012 Sprint
Ergebnisse
Deutsche Meisteschaft 2012 Verfolgung
Ergebnisse Deutsche
Meisteschaft 2012
Staffel
Mit dem Ergebnis aus dem Sprint waren die Zeiten
für die Verfolgung klar und die Platzierung von Jonas sorgte dafür,
dass er in das Aufgebot der Staffel "Bayern 1" des Bayerischen
Sportschützenbundes (BSSB) für den Wettkampf am Sonntag berufen
wurde. Für Marina Strauß stand zunächst kein Start in der Staffel
zur Debatte.
Bei der abendlichen Siegerehrung vor beinahe
1000 Gästen wurden die Medaillen und Urkunden vergeben. Auch Jonas
durfte Siegerpodestluft schnuppern, als er für seinen 4. Platz auf
die Bühne geholt wurde. Sichtlich stolz präsentierte er seine Urkunde
unter dem lauten Klatschen der Bayerischen Anhänger und des Blitzlichtgewitters.
Neben den Ehrengästen überreichte auch die ehemalige Olympiasiegerin
im Biathlon, Katrin Apel, die Urkunden an die Athleten.

Die
besten Läufer im Sprint der Jugendklasse männlich: Platz 4 Jonas
Pauly

Die
Virnsberger Biathleten (von links): Felix Strauß, Jonas Pauly und
Marina Strauß
Die Nacht konnte nicht für eine ausschweifende
Feier genutzt werden. Am nächsten Tag stand um halb 8 die Startnummernausgabe
für die Verfolgung an, in der Jonas als Ziel hatte, nicht zu viele
Plätze abzugeben. Die Streckenlänge betrug in der Verfolgung der
Jugendlichen männlich 4 Kilometer. Das Schießen gestaltete sich
aus einem zweimaligen Liegendschießen und einem Stehendschießen.
Bei der Verfolgung wurden wieder klassische Strafrunden gelaufen.
Das Wetter war immer noch bedeckt, windig und kalt und verlieh der
Veranstaltung nicht gerade das Prädikat "Sommerbiathlon".
Dennoch ging es für Jonas um 10:30 Uhr und 31 Sekunden auf die Strecke
und versuchte sofort Anschluss an die Nummer 3 zu halten, die ja
nur 2 Sekunden Vorsprung hatte. Von hinten versuchten seine Verfolger
dieselbe Taktik, so dass beim Liegendschießen eine große Gruppe
an Schützen sich direkt gegenüberstand. Die lauten Anfeuerungsrufe
hielten die Sportler immer auf dem Laufenden, wie es den Konkurrenten
während der Schussabgabe erging. Die ersten drei Scheiben für den
Virnsberger fielen allesamt, so dass es beinahe so weiter ging,
wie es am Vortag aufgehört hatte. Doch die Scheiben vier und fünf
verfehlten die Diabolos aus Jonas Waffe und somit standen zwei Strafrunden
an. Läuferisch war Jonas trotz des kleinen urlaubsbedingten Trainingsrückstandes
gut drauf und reihte sich auf Rang neun bis zehn während der zweiten
Runde ein.

Das zweite Liegendschießen stand auf dem Programm und
der erste Schuss verfehlte die Klappscheibe. Alle vier folgenden
Schüsse wurden aus dem Trainerbereich per Funk als Treffer nach
außen übermittelt, so dass die Freude wieder groß war. Die eine
Strafrunde ließ Jonas nicht wesentlich nach hinten fallen, so dass
wieder das ungeliebte Stehendschießen das Maß aller Dinge war. Die
Glanzleistung konnte Jonas nicht mehr abrufen, denn von den fünf
Scheiben blieben drei Stück stehen. Rund 210 Extrameter standen
für den Virnsberger abermals auf dem Programm und auf der Schlussrunde
war großes Beißen angesagt. Natürlich wurde Jonas durch seine Fehlschüsse
etwas nach hinten gereicht. In der Schlussrunde, in der der
Schießstand noch einmal durchlaufen wurde, holte der Wahl-Virnsberger
noch einmal alles aus sich heraus und vollzog die letzten 200 bis
300 Meter im Sprint, was ihm nach 19:35.7 Minuten den 15. Platz
einbrachte. Er und das Trainerteam waren dennoch mit der Leistung
zufrieden, die im Vorfeld nicht in Aussicht stand.
Ergebnisse Verfolgung
| 15. Platz | Jonas Pauly | Jugend m | 2 | 1 | 3 | 19:35.7 Minuten | + 3:18.2 Min |
Ergebnisse
Deutsche Meisteschaft 2012 Sprint
Ergebnisse
Deutsche Meisteschaft 2012 Verfolgung
Ergebnisse Deutsche
Meisteschaft 2012
Staffel
Nach dem Rennen stellte sich aber heraus, dass
eine Muskelverhärtung ein Rennen auf hohem Niveau am Sonntag in
der Staffel nicht zulassen würde. Sportlich fair ließ Jonas anderen
Bayerischen Läufern den Vortritt in der "Bayern 1"-Staffel
mitzulaufen. Er begnügte sich mit der Rolle des Edeljokers. Dennoch
stellte sich eine Teilnahme für den SV Virnsberg bei den Staffelwettkämpfen
ein. Marina Strauß bekam das Angebot, in der Staffel "Bayern
3" in der Jugendklasse weiblich zusammen mit zwei Läufern der
Vorwaldschützen Renholding an den Start zu gehen.
Nach einem halben Tag Pause war das Team bereit
für die Abreise und den letzten Wettkampf am Sonntag. Aufregung
gab es kurz vor dem Start, denn Jonas war noch in der Staffel "Bayern
1" gemeldet, obwohl dies mit dem Bayern-Trainer bereits am
Vortag ausgeräumt worden war. Dieser Widerspruch klärte sich aber
schnell auf und somit konnte der Fokus auf das Anschießen von Marina
gelegt werden. Bei spätsommerlichen Temperaturen spielte nun auch
endlich das Wetter mit.

In der Staffel war Marina als Startläuferin
eingeteilt. Mit im Team waren Anna-Lena Habereder und Katharina
Ragaller von den Vorwaldschützen Rennholding. Alle drei konnten
sich am Freitag nicht für die Verfolgung am Samstag qualifizieren
und waren im Sprint nur 38 Sekunden auseinander. Marina eröffnete
auf ihrer ersten von drei 800 Meter Durchläufen mit nur einem Fehler
das Liegendschießen. Drei Nachlader standen ihr zur Verfügung, sie
konnte jedoch keinen nutzen und musste daher einmal in die Strafrunde
abbiegen. Das Stehendschießen gestaltete sich ähnlich. Nach dem
ersten Fünfermagazin blieben noch zwei schwarze Spiegel stehen,
der zweite Nachlader traf den ersten noch stehenden Spiegel, der
dritte Nachlader konnte aber eine weitere Strafrunde nicht verhindern.
Dass Marina nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war, merkte man, als
der sonst marinatpyische Zug beim Abschlusssprint eher verhalten
blieb, sie wollte auf den letzten Metern noch eine Läuferin vor
ihr den Platz abnehmen. Schließlich übergab sie an ihre heutigte
Teamkollegin Katharina Ragaller mit nicht einmal 1 Sekunde Rückstand.
Die Läuferin von den Vorwaldschützen Renholding ging mit 2 Strafrunden
nach dem Liegendschießen in den Wettkampf und blieb beim Stehendschießen
fehlerfrei. Dieselbe Schießkombination leistete sich Anna-Lena Habereder,
die Schlussläuferin von Bayern 3, und vollendete die Teamleistung
nach 14:13.0 Minuten als Beste im Team. Die Staffel kam auf den
7. Rang.
Ergebnisse Staffel
| 7. Platz | Bayern 3 | 43:06.8 Minuten | +11:07.1 Minuten | |||
| Marina Strauß | SV Virnsberg | 1 | 2 | 14:33.6 Minuten | ||
| Katharina Ragaller | Vorwaldschützen Renholding | 2 | 0 | 14:20.2 Minuten | ||
| Habereder Anna-Lena | Vorwaldschützen Renholding | 2 | 0 | 14:13.0 Minuten |





