Schützenverein Virnsberg
Protokollbuch 1972: "Leider ist es uns nicht möglich, diesen Betrag voll aus unserer Vereinskasse zu bezahlen."
Webmaster, 05.09.2018, 19:11 Uhr | Update: 05.09.2018, 19:16 Uhr

Der Schützenverein Virnsberg besitzt heute zahlreiche Vereinsgewehre, ein eigenes Schützenhaus und zahlreiches Equipment. Dies war im Jahre 1972, unmittelbar vor den Olympischen Spielen in München, unvorstellbar. Stattdessen kämpfte der Verein mit Anschaffungsproblemen anderer Größenordnungen. Ein Blick in das Protokollbucharchiv lohnt daher immer, Kurioses oder Ungewöhnliches zu entdecken.

"Leider ist es uns nicht möglich, diesen Betrag voll aus unserer Vereinskasse zu bezahlen"


Angeschafft werden sollten zwei Feinwerkbaugewehre, wie ein Protokollbucheintrag vom 13. Mai 1972 belegt. Der damalige Schützenmeister Walter Herold und Konrad Dämpfling traten im Rahmen eines Preisschießens mit der Firma Neumann in Kontakt. Die beiden Gewehre wurden zur Ansicht mitgenommen und Probe geschossen. Die Vorstandschaftssitzung beschloss in der Folge, die Gewehre zu behalten. Zusätzlich gesellten sich zu dieser Anschaffung noch "Scheiben und Munition in größerer Menge" hinzu.

Am 16. Mai 1972 liegt dem Protokollbuch ein Schreiben bei, das von der Vorstandschaft des SV Virnsberg an den "Direktor" der Hürnerbräu AG in Nürnberg gerichtet war. Einleitend mit den Worten "Werter Herr Direktor!" wurde berichtet, dass zwei alte Walther-Gewehre mit Baujahr 1964 (wahrscheinlich ein Modell wie links zu sehen) durch die beiden neuen Feinwerkbau-Modelle ersetzt werden sollten. Die alten Gewehre "genügen auch nicht mehr den heutigen Wettkampf-Anforderungen" und eine Überholung würde sich nicht mehr rechnen. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass der Vorstandschaft "um das Vereinsleben zu aktivieren", derselbigen "keine andere Wahl" als diese Neubeschaffung bliebe.
Die Hürnerbräu wird als Gönner des Vereins bezeichnet, weswegen die Vorstandschaft um eine Unterstützung zur Anschaffung bittet. Die Kosten für die Anschaffung des "Großhandelsangebot" inklusive Leinenfuteral werden auf 960 DM beziffert. Von welchen finanziellen Strukturen der Verein damals verfügte kann man aus folgendem Satz ableiten: "Leider ist es uns nicht möglich, diesen Betrag voll aus unserer Vereinskasse zu bezahlen. Wir wenden uns deshalb vertrauensvoll an Sie und bitten höflichst uns mitzuteilen, ob wir mit Ihrer Unterstützung rechnen dürfen."
Mit der zur damaligen Zeit gängigen Sprechweise endet die Anfrage mit den Zeilen: "In der Hoffnung, keine Fehlbitte getan zu haben, sehen wir Ihrer gefälligen Antwort entgegen."

Am 23. Mai 1972 schrieb der Prokurist der Hürnerbräu AG das freudige Antwortschreiben in Richtung der Virnsberger Schützen. Er sagte eine Spende von 200 DM zu. Bei Herrn (Gerhard) Seufert, der Wirt der damaligen Schloßwirtschaft (gleichzeitig Vereinslokal und Abnehmer von Hürnerbräu) würde die Spende zum Abholen bereit liegen. Wie auch schon bei der Anfrage schließt das Antwortschreiben aus heutiger Sicht sehr amüsant mit den Worten: "Wir glauben, Ihnen hiermit wiederum bestens gedient zu haben und verbleiben mit besten Grüßen".

 
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